Mein FussiFreunde

26.02.2017

Berkans „Ballermänner“: Sieben Streiche gegen überforderte Gastgeber

Kosova-„Chef“ Mazrekaj nach 1:7: „Wir haben ein Tor mehr als der HSV gemacht und eins weniger kassiert“

Jubel-Trio: Milaim Buzhala, Abdullah Yilmaz und Doppeltorschütze Nick Brisevac (v. li.) dürfen sich über den Sieg freuen. Foto: KBS-Picture

Was für ein Spiel: Schon nach rund 20 Minuten war klar, dass es für den Klub Kosova im Heimspiel gegen Altona 93 nichts zu holen geben sollte. 4:0 stand es für den AFC zu diesem Zeitpunkt. Kosova drohte, völlig abgeschossen zu werden. Am Ende fingen sich die Hausherren nach dem Seitenwechsel ein wenig und gingen letztlich „nur“ mit 1:7 baden. Trotz des klaren Erfolges wollte Altonas Coach Berkan Algang die Darbietungen seiner Elf nicht als besten Auftritt der Saison küren. Kosovas „Boss Arton Mazrekaj, Trainer und Präsident in Personalunion, wollte nach dem Spiel nicht verbal auf seine Schützlinge draufhauen: „Was bringt das? Sie wissen selber, dass das nicht gut war.“

Sie mühten sich redlich. Immer wieder spielten die Kicker von Altona 93 auf dem Kunstrasen an der Dratelnstraße in der letzten halben Stunde des Spiels gegen den Klub Kosova Marco Schiavone an. Dieser war nach 57 Minuten, begrüßt von einem Ständchen der AFC-Fans, für Nick Brisevac in die Partie gekommen. Doch es sollte beim Versuch der Teamkollegen bleiben, dem Geburtstagskind – Schiavone wird heute 21 Jahre alt – einen Torerfolg aufzulegen. Ganz nah dran war er in der 66. Minute. Nach einem Foul kurz vor der Strafraumgrenze gab es einen Freistoß für den AFC. Schiavone und Dennis Thiessen standen am Ball, sprachen miteinander. Draußen kündigte Altonas Manager Andreas Klobedanz schon einen sehenswerten Freistoß-Trick an, doch dann ging Schiavone ein paar Schritte beiseite und ließ Thiessen den Vortritt.

Mazrekaj flüchtet sich in Galgenhumor: „In der zweiten Hälfte haben wir 1:1 gespielt“

Allen Grund zum Lächeln: Auch Pablo Kunter traf doppelt und glänzte zudem als Vorbereiter. Foto: KBS-Picture

Der 26-Jährige lief an, die Kugel flog an der Mauer vorbei und landete im Netz. Thiessen – nachdem Brisevac bereits den Platz verlassen hatte, inzwischen mit der Kapitänsbinde um den Arm – bejubelte mit seinen Teamkollegen den inzwischen siebten AFC-Streich des Spiels, die Akteure von Gastgeber Kosova waren nun endgültig konsterniert. Immerhin: Auch sie beweisen, dass sie es mit Freistößen können. Allerdings unter der freundlichen Mithilfe der Altonaer. Mert Kepceoglus ruhender Ball sieben Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wäre eine sichere Beute für AFC-Schlussmann Tobias Grubba gewesen, doch die Kugel wurde abgefälscht. Grubba war bereits in von ihm aus gesehen rechte Eck unterwegs, der Ball landete links von ihm. Gleichwohl: Mehr als die berühmte Ergebniskosmetik bedeutete dieser Treffer nicht mehr. Auch, wenn sich Arton Mazrekaj nach dem mit 1:7 verlorenen Spiel zumindest einen Moment in Galgenhumor flüchtete: „Wir haben einen Treffer mehr erzielt und einen weniger kassiert als der HSV bei Bayern München“, erklärte der „Boss“ des Klub Kosova und ergänzte: „In der zweiten Halbzeit haben wir sogar 1:1 gespielt.“

Da lag der „Trainer-Präsident“ der Gastgeber zwar nicht falsch, aber da war ja noch die erste Halbzeit. Und die war aus Sicht der Hausherren ein Grauen. Vier Minuten waren gespielt, als Chris Pfeifer auf den zweiten Pfosten flankte, Max Stolzenburg den Ball direkt nach innen weiterleitete und Eliezer Correira Ca zum 1:0 für den AFC vollendete. Fünf Minuten später war der Ball erneut hinter der Torlinie: Kepceoglus Pass auf Patrick Fernandes Silva war zu kurz geraten, Thiessen erobert den Ball, passte auf Kunter – 2:0. Und es sollte für Kosova noch schlimmer kommen. In der 13., der Unglücks-Minute, zum Beispiel: Keeper Muhedin Eminovic, vier Monate ohne Spiel (Kosovas Torwart-Trainer Fabrizio Tuttolomondo: „Wir haben ihn mittwochs angerufen, ob er aushelfen kann“) und nur zwischen den Pfosten, weil Stammtorwart Adrian Mamudi wegen einer Verletzung aus dem Türkiye-Spiel nicht auflaufen konnte, segelte zunächst unter einer Flanke hindurch. Dann hatte er den Ball schließlich doch sicher, warf anschließend aber so schlecht ab, dass Stolzenburg mit der Kugel am Fuß in den Strafraum eindrang und von Berat Ademi gefoult wurde. Brisevac verwandelte den fälligen Elfmeter sicher zum 3:0 für die Gäste aus Altona.

Altonas achter Absch(l)uss will nach dem Seitenwechsel einfach nicht gelingen

Traurige Blicke: Kosovas Mert Kepceoglu gelang zwar das 1:7, doch die Niederlage konnte auch er nicht abwenden. Foto: KBS-Picture

Doch auch jetzt sollte das muntere Toreschießen des AFC noch kein Ende haben. Im Gegenteil: Einen Freistoß aus dem Halbfeld zirkelte Brisevac genau auf den Kopf von Jan Novotny – 4:0 (19.). Danach hielt sich Kosova zehn Zeigerumdrehungen schadlos, ehe Fernandes Silva den Ball unbedrängt in die Füße von Pablo Kunter spielte, der wiederum Brisevac in Szene setzte. Dieser guckte sich Eminovic aus – 5:0 (29.). Apropos Kunter: Er war auch an der Szene beteiligt, in der Altona das halbe Dutzend voll machte. In jenem Moment hatte Abdullah Yilmaz den Ball aus der eigenen Hälfte lang nach vorne geschlagen. Kunter lieferte sich ein Laufduell mit Kosovas Viktor Streib, der Kunter das Spielgerät unfreiwillig vor die Füße köpfte. Der wiederum nahm das Geschenk dankend an und vollendete den Angriff im rechten unteren Eck mit dem 6:0. Eine Chance sollte der AFC im ersten Durchgang tatsächlich ungenutzt lassen. Die aus der 38. Minute, als Kunter für Brisevac auflegte, dessen Schuss jedoch am Tor vorbei zischte. Doch das nur am Rande. Nach der Pause legte Kosova dann zumindest etwas zu. Der Rest ist bekannt: Auf beiden Seiten „klingelte“ es noch je ein Mal. Der AFC vergab zudem durch Milaim Buzhala (74., Flugkopfball an den Pfosten/88., vorbei) noch zwei Mal.

„Die erste Halbzeit war gut, die zweite schlecht“, bilanzierte Altonas Übungsleiter Berkan Algan nach dem Abpfiff entsprechend, „die Bedingungen waren schwer. Zum Glück war der Kunstrasen nicht so wie bei unserem Auswärtsspiel gegen Osdorf gefroren. Gefrorener Platz, der Flutlicht-Ausfall, dann ein paar Jungs mit scheinbar falschen Schuhen – in dem Spiel war die Laterne bei uns schnell aus.“ Dieses Mal aber „haben wir drei wichtige Punkte für die Entwicklung geholt. Ich freue mich, dass die Spieler Spaß hatten. Wir haben den Gegner tierisch unter Druck gesetzt. Es ist nicht so, dass Kosova einen rabenschwarzen Tag hatte. Wir haben unsere Aktionen einfach gut zuende gespielt. Manchmal macht man die ersten Chancen nicht rein und liegt auf einmal 0:1 hinten. Das ist uns zum Glück nicht passiert“, sagte Algan, der den Auftritt seiner Equipe aber dennoch nicht zum besten Saisonauftritt ausrufen wollte. „Da gab es viele andere Spiele. Gegen Dassendorf waren wir 40, 50 Minuten richtig gut. Auch gegen Cordi, wo wir unverdient verlieren“, so Algan, der den Blick nach der Partie schon auf das nächste Spiel richtete: „Jetzt gucken wir auf das Duell mit Vicky. Das ist ein ganz anderes Kaliber als Gegner.“

Algan: „Jetzt gucken wir auf das Duell mit Vicky. Das ist ein ganz anderes Kaliber“

Auf Berkan Algan und sein Team wartet jetzt das Heimspiel gegen den SC Victoria. Foto: KBS-Picture

Anders als bei Algan war es bei Arton Mazrekaj um dessen Gefühlswelt weniger sonnig bestellt. „Was soll ich dazu sagen? Zur Halbzeit steht es 0:6 und von den sechs Toren schenken wir Altona fünf. Was soll man als Trainer da machen?“, ließ der „Trainer-Präsident“ den Kopf hängen, „ich weiß nicht ob sich die Mannschaft wegen des Namens und des Tabellenstands des Gegners in die Hose gemacht hat. Fakt ist: Wir haben es nicht hinbekommen, die Fehlerquelle zu unterbrechen. Das war das Fatale, was den Gegner stark gemacht hat. Wenn man nach vier Minuten mit 0:1 zurückliegt, ist das nicht gut. Vor allem nicht, wenn man als Mannschaft, die unten drin steht und sowieso schon wackelige Beine hat, einen Gegner hat, der Ambitionen nach oben hat. Man könnte ja mal Markus Gisdol fragen, wie der sich mit dem HSV bei den Bayern gestern gefühlt hat...“

Man könne jetzt „auf die Mannschaft draufhauen. Aber was bringt das?“, kommentierte Mazrekaj, „ich habe den Jungs in der Halbzeit gesagt, dass das Leben weitergeht. Wenn jemand zwei Mal daneben gegriffen hat, braucht einem der Trainer nicht sagen, dass alles gut war. Die Spieler wissen selbst, dass es nicht gut war. Es ist nicht das erste Mal, dass wir so auftreten.“ Schon gegen Pinneberg in der Hinrunde oder beim 0:5 gegen Niendorf auf eigenem Platz „haben wir solche Böcke drin gehabt. Dabei hast du gegen so einen Gegner nichts zu verlieren. Du kannst als Underdog eigentlich nur gewinnen, was uns gegen Cordi und Dassendorf ja auch gelungen ist. Aber diesmal sollte es halt nicht sein“, beschied Mazrekaj, „wer gegen Altona in Rückstand gerät, der hat es einfach schwer. Sie haben nach einem einfachen Prinzip gespielt: Zack, Mitte, raus. Wir haben es nicht geschafft, das zu unterbinden und die Viererkette gegen die Angriffe über außen gut zu staffeln.“

Jan Knötzsch

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