Mein FussiFreunde

17.03.2017

Die „Mücke“ sollte nicht, aber sie stach – „weil sie immer sticht“!

Bramfeld ringt "Elstern-Bubis" spät nieder – Aufreger zum Schluss

V. li.: Während Mirko Schulz (Co-Trainer), Florian Neumann (Trainer) und Matthias Albrecht (Manager) den Sieg eher still genießen, feiert die Mannschaft des BSV im Hintergrund ausgelassen. Foto: DK

Florian Neumann war kurz davor, seine allerletzte Wechsel-Option zu ziehen. „Hinten auflösen und Robert Pietruschka vorne reinstellen“, verriet der Trainer des Bramfelder SV hinterher. Doch letztlich entschieden sich Neumann und sein Co-Trainer Mirko Schulz dafür, nicht Pietruschka, sondern Matthias Müller vier Minuten vor Ultimo beim Stand von 1:1 ins Rennen zu werfen. Der Offensivakteur sollte mit einem entscheidenden und genialen Moment das Ruder noch einmal rumreißen. „Er hat auf der Bank bereits angekündigt, dass er reinkommt und in der 85. Minute das Siegtor erzielen würde“, ließ uns Neumann anschließend wissen.

Keine 180 Sekunden nach seiner Hereinnahme wurde Müller auf dem linken Flügel von Marcel Schwarck in Szene gesetzt und gab einen Spurt zum Besten, bei dem wahrscheinlich selbst ein Usain Bolt seine Mühe gehabt hätte, zu folgen. Der 22-Jährige zündete den Turbo, marschierte fast bis zur Grundlinie runter, zog dann nach innen und behielt schlussendlich auch im Abschluss noch kühlen Kopf. Müller chipte den Ball über Alen Brandic hinweg zum 2:1 in die Maschen – selbst ein Bergedorfer Abwehrbein konnte den Einschlag nicht mehr verhindern! Das Trainerteam hielt es bei strömendem Regen nicht mehr auf den Sitzen. Auch die Mannschaft spurtete dem „Matchwinner“ entgegen. „Es ist beeindruckend, wie wir nach diesem späten Rückstand zurückgekommen sind. Das ist ein sehr schönes Gefühl, dass sich die Jungs für die Arbeit unter der Woche, die auch mal sehr theoretisch und ‚langweilig‘ für Spieler ist, belohnen“, so Neumann.

85-Treffer in der Nachspielzeit aberkannt, Arlovic fliegt

Doch beinahe wäre am Ende nur ein Zähler an der Ellernreihe geblieben. Nicht, weil der Siegtreffer ohne die Einwechslung Müllers vermutlich nicht mehr zustande gekommen wäre. Vielmehr deshalb, weil sich die „Elstern“ nicht aufgaben und in buchstäblich allerletzter Sekunde zu einem Hochkaräter kamen, der die Emotionen bei den Bergedorfern noch einmal hochkochen ließ. Der bärenstarke Nikola Benkovic köpfte einen langen Ball nahezu von der rechten Grundlinie nach innen, wo Antonio Kobas lauerte und das Runde ins Eckige beförderte. Doch zum großen Erstaunen der 85er ging die Fahne des Assistenten hoch. Abseits! „Wenn ich an der Außenlinie stehe und den Ball reinköpfe, dann kann es schwer Abseits sein. Denn der Platz ist auf Höhe der Grundlinie zu Ende. Zumal Bramfeld noch einen Spieler auf der Linie stehen hatte“, witterte nicht nur FCB-Neucoach Tayfun Özüsakiz eine Fehlentscheidung. Sein Assistent Anto Zivkovic tobte an der Seitenlinie – während Duro Arlovic auf dem Platz die Nerven verlor und mit glatt Rot vorzeitig weichen musste (90. +2)! BSV-Übungsleiter Neumann zu jener Szene: „Glück gehabt, dass die Fahne hochging – auch wenn es von unserer Position nur sehr schwer zu erkennen ist.“

Es dauerte eine ganze Weile, bis das „Verfolgerduell“ an Fahrt aufnahm. Erst zu Beginn des zweiten Abschnitts hörte man das erste etwas vehementere Raunen, als Milos Ljubisavljevic einen Polzin-Querpass an die Latte setzte und Carsten Henning den Abpraller aus spitzem Winkel an den linken Pfosten platzierte (54.). Doppel-Alu binnen wenigster Sekunden für den BSV! Doch die Gäste hielten stets beherzt dagegen und wurden von ihrem neuen Trainer über die vollen 90 Minuten immer wieder lautstark an- und nach vorne getrieben. Jede noch so kleine erfolgreiche Aktion wurde von Özüsakiz kommentiert. Immer wieder sprach er seinem Team Mut zu und Komplimente aus. Auch wenn Özüsakiz einige Sprachen spricht, so wies er seinen Assistenten Anto Zivkovic bei jeder geglückten Aktion eines kroatischen Spielers dazu an, diesen zu loben.

Die Mücke sticht, "weil sie immer sticht"

Besonders groß dürfte das Lob in Minute 78 ausgefallen sein, als der eingewechselte Kevin Hoffmann – scheiterte zuvor schon mit einem spektakulären Freistoß an Patrick Möller – einen ruhenden Ball aus dem linken Halbfeld scharf vors Tor schlug und „Abwehrkante“ Benkovic das Leder mit dem Schienbein in den linken Giebel jagte. Da passte kein Blatt Papier mehr dazwischen! Sollten die Mannen – oder in diesem Falle eher „Bubis“, die mit einem Durchschnittsalter von 19,5 (!) Jahren antraten - von den Sander Tannen tatsächlich alle drei Punkte mit nach Hause nehmen und an die Bramfelder heranrücken? Nein! Denn nur kurze Zeit später landete ein abgefälschter Pass vom ebenfalls eingewechselten Martin Fedai bei Ljubisavljevic, der von halbrechts in den Strafraum eindrang und dieses Mal ganz clever per Lop ins lange Eck finalisierte – 1:1 (83.)! Es folgte der geniale Moment des Matthias „Mücke“ Müller und das nicht gegebene Bergedorfer Tor in der Nachspielzeit.

„Wir haben mit einer unglaublich jungen Mannschaft gespielt und sind schon dabei, uns für die kommende Saison einzuspielen. Wir hatten heute nichts zu verlieren“, befand Özüsakiz und ergänzte: „Es hätte auch Unentschieden ausgehen können, mit etwas mehr Glück hätten wir sogar gewinnen können. Denn wir haben keine riesengroßen Fehler gemacht und die Mannschaft ist an ihre Grenzen gegangen.“ Zu der finalen Situation sagte er abschließend: „Spitzenteams haben halt eine besondere Lobby, das ist auch in der Champions League so.“ BSV-Coach Neumann wusste hingegen um die Bedeutung des Dreiers – auch mit Hinblick auf die Tabelle. „Heute, am 17. März, stehen wir zu Recht da, wo wir stehen.“ Zu der Darbietung seiner Elf vor der späten Wende meinte er: „Ich glaube, wir wollten zu schnell zu viel. Dadurch haben wir immer wieder zu schnell die Bälle verloren. Wir waren etwas zu ungeduldig und unruhig. Vielleicht auch, weil wir oft noch gar nicht wissen, wie stark wir eigentlich sind. Aber es ist unglaublich, wie die Jungs dann zurückgekommen sind.“ Auch, weil die „Mücke“ kurz vor dem Schlussakkord zugestochen hat. Für Schulz nichts Außergewöhnliches: „Es war klar, weil er immer sticht!“

Autor: Dennis Kormanjos

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