Mein FussiFreunde

20.02.2017

Ein Hammer für Hamm! Eine Keule für Meiendorf?

Abpfiff – die neue FussiFreunde-Kolumne

Foto: KBS-Picture

Ab sofort greifen wir an dieser Stelle jeden Montag zum Abschluss des Spieltages unter dem Titel „Abpfiff“ in unserer Kolumne die Geschehnisse des Wochenendes und die wichtigsten Themen der vorangegangenen Woche im Hamburger Fußball auf und kommentieren diese. Diesmal geht es um Hamm Uniteds Top-Transfer Mustafa Kucukovic, das Abwarten Concordias in der Trainerfrage und die Zukunft des Meiendorfer Trainerteams Fatih Ergün und Baris Saglam. 

In der ersten Erregung sagt man gern einmal Worte, die einem später Leid tun. Zumindest aber Dinge, die in letzter Instanz nicht so gemeint sind oder zur Realität werden, wie man sie gesagt hat. Es ist also nicht unbedingt damit zu rechnen, dass Hamm United den Worten seines Ligamanagers Jassi Huremovic Folge leisten wird und sich vom Spielbetrieb zurückzieht. Menschlich betrachtet ist der erste Wutausbruch von Huremovic in der vergangenen Woche als Reaktion darauf, dass Neuzugang Mustafa Kucukovic nicht spielen darf, vielleicht sogar nachvollziehbar. Allein: Die Wortwahl ist schon ziemlich drastisch, wenn nicht gar überzogen. Auch wenn es ein ganz schöner Hammer ist, der die Hammer da traf. Berechtigt erscheint die Kritik daran, dass der Verein erst auf Nachfrage Kenntnis davon erlangte, dass der Verband bislang keine Entscheidung über den Antrag auf Spielberechtigung getroffen hat, sondern die Sache innerhalb des Verbandes juristisch geprüft werde. „Die Verhandlung sollte eigentlich schon früher stattfinden, deswegen kann man uns schon vorwerfen, dass das etwas lange gedauert hat“, sagt HFV-Pressesprecher Carsten Byernetzki. Noch viel schlimmer aber stößt den „Geächteten“ natürlich auf, dass Kucukovic vorerst „auf Eis“ gelegt wurde. Wegen des zeitgleichen Abschlusses von zwei Verträgen.

Byernetzki: „Kucukovic hätte seinen Vertrag in Lüneburg am Tag vorher auflösen müssen“

HFV-Pressesprecher Carsten Byernetzki erklärt die Sichtweise des Verbandes im Fall Kucukovic. Foto: KBS-Picture

„Bei Abschluss von mehreren Verträgen für die gleiche Spielzeit ist der Spieler wegen unsportlichen Verhaltens zu bestrafen. Dies gilt auch für jeden anderen Versuch, sich der durch den Vertrag eingegangenen Bindung zu entziehen“ – so steht's in der HFV-Spielordnung. Doch wie hätte der HUFC anders verfahren sollen? Kucukovic wechselte innerhalb der Wechselfrist. Als Vertragsbeginn kam nur der 31. Januar in Frage, da – die Spielordnung lässt grüßen – der Vertrag innerhalb eben jener Wechselfrist in Kraft getreten sein muss. Zuvor war das Arbeitspapier des Ex-Profis beim Lüneburger SK aufgelöst worden – das soll, so Huremovic, der LSK auch beim Niedersächsischen Fußballverband so angegeben haben. Erst danach unterzeichnete der Stürmer einen Vertrag bei United, den Huremovic im Beisein eines Freundes beim HFV am gleichen Tag in den Briefkasten warf (O-Ton Huremovic: „Damit wir einen Zeugen haben, dass alle Dokumente überliefert wurden. Wir haben das sogar auf Fotos festgehalten“).

Klingt alles schlüssig. Wo also soll da der Fehler sein? Wo die zwei zeitgleichen Verträge? Und, um auf den Passus aus der Spielordnung zurückzukommen: Welcher durch einen Vertrag eingegangenen Bindung soll sich Kucukovic entzogen haben? Das wäre, ohne juristische Kenntnis gedacht, doch nur der Fall, wenn gleichzeitig mit dem HUFC-Vertrag noch ein anderer Kontrakt mit einem Club existieren würde. Der in Lüneburg war doch aber aufgelöst...!? „Es ist arbeitsrechtlich nicht möglich, am gleichen Tag einen Vertrag aufzulösen und einen neuen zu schließen. Es gibt in Verträgen keine zeitlichen Kategorien wie Minuten oder Stunden. Nur Tage. Kucukovic hätte seinen Vertrag in Lüneburg am Tag vorher auflösen müssen, dann wäre alles problemlos über die Bühne gegangen“, erläutert Carsten Byernetzki die HFV-Sichtweise. Es sei derzeit nicht mal möglich, Kucukovic im DFB-Net freizuschalten. „Nach unserer Auffassung ist er nicht spielberechtigt. Darüber befindet am Mittwoch ab 18.15 Uhr das Verbandsgericht. Im Zweifel müssen wir das auch mit dem DFB abklären“, sagt Byernetzki. Hamm bleibt vorerst nichts anderes, als abzuwarten.

Ergün: „Wir werden für uns abwägen, wo die Rahmenbedingungen am besten passen“

Meiendorf-Trainer Fatih Ergün hat gemeinsam mit Baris Saglam auch das Interesse anderer Vereine an dem Duo geweckt. Foto: noveski.com

Warten muss auch weiterhin Oberliga-Spitzenreiter Concordia. Auf die Zu- oder Absage seines Coaches „Aki“ Cholevas für die kommende Saison. Man möchte dieses Thema rund um den Bekkamp zwar gern so klein wie möglich halten, aber in die Köpfe der Mannschaft hat sich das Ganze längst eingeschlichen. Diskussionen um die Zukunft des Trainers, von der auch die eigene nicht ganz unabhängig ist, gehen nicht spurlos an einem Team vorbei. Die Chance, alles durch ein klares Bekenntnis „pro Cordi“ schnell ad acta zu legen, hat Cholevas, der Antworten weiterhin ausweicht, selbst verpasst. Da es vom Coach selbst die Ansage gab, dass die Personalie vor dem Rugenbergen-Spiel vom Wochenende geklärt sein sollte, bleibt zu vermuten, dass die Gespräche bislang doch nicht so gut gelaufen sind, wie sie Ligamanager Florian Peters und Cholevas in der Außendarstellung präsentieren.

Apropos Außendarstellung: Die war beim Meiendorfer SV im vergangenen Sommer nicht die beste. Stichwort Ohrt-Rückzug und seine Folgen. In den Wochen und Monaten danach rückten die Mannschaft und das umtriebige Trainerduo Fatih Ergün und Baris Saglam den Club von der B75 wieder in ein richtig gutes Licht. Ein Glück, dass die beiden Coaches noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2018 haben. Da ist eine positive Weiterentwicklung doch gesichert. Oder etwa nicht? Selbst der Aufstieg ist theoretisch in dieser Saison ja noch drin. „Wir tun unser Bestes“, erklärt Saglam, sagt aber auch: „Es liegt an ein paar anderen Gegebenheiten abseits des Platzes, die bewältigt werden müssen. Ob die einfach zu bewältigen sind, werden wir mit der Zeit sehen.“ 


Klingt, als ob da erneut Einiges im Argen liegt. Auf Hamburgs Plätzen ist jedenfalls zu hören, dass Saglam nicht nur Trainer-, sondern in Personalunion auch Manageraufgaben wahrnehmen muss. Nach unseren Informationen haben auch andere Vereine inzwischen ihre Fühler sehr weit nach dem Erfolgs-Gespann ausgestreckt. Ergüns Antwort: „Nichts ist unmöglich. Wir werden für uns abwägen, wo die Rahmenbedingungen am besten passen“, auf die Frage, wo die Zukunft des Duos liegt, lässt in dem Zusammenhang tief blicken...

Jan Knötzsch

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