Mein FussiFreunde

28.02.2016

Türkiye hat einen „neuen Helden“ – Condor verliert Heimnimbus!

Slapstick, Tarumtore – und ein 18-jähriger Shootingstar

Türkiye jubelt weiter, Condor erstmals daheim bezwungen: Alexander Pohlmann (2. v. r.) erzielte das zwischenzeitliche 2:1 für sein Team kurz vor der Pause. Foto: noveski.com

Mit einem Schmunzeln im Gesicht kam Condor-Keeper Sascha Kleinschmidt unmittelbar nach dem Schlusspfiff auf Türkiyes Mittelfeldmotor Gökhan Iscan zu und hauchte ihm ein „Schön in den Boden getreten“ zu. Wenig später folgte ihm Matthias Bub, der Iscan zum Sieg und zu einem „Sch... Tor“ beglückwünschte. Auch SCC-Coach Cristian Woike wollte sich dieser Gratulantenschar nicht entziehen und scherzte obendrein: „Schlechter Schuss.“ Nur was meinte die gesamte „Führungsriege“ der Farmsener damit? Sechs Minuten waren noch auf der Uhr, als eben jener Gökhan Iscan auf halbrechts von Erdinc Güner angespielt wurde, ein paar Schritte mit dem Ball machte und ihn schließlich aus 18 Metern millimetergenau in den linken Giebel schweißte – Kleinschmidt machte sich lang und länger, war aber ohne jede Abwehrchance!

Gökhan Iscan machte mit seinem fulminanten Strahl den Deckel drauf. Foto: noveski.com

Mit seinem absoluten Traumtor entschied der langzeitverletzte „Sechser“ der Wilhelmsburger die Partie zugunsten der Gäste und sorgte für die allererste Heimniederlage (!) des SC Condor in dieser Spielzeit! „Im letzten Spiel gegen Cordi habe ich ganz genau so ein Ding gemacht. Also: Zweimal Zufall ist eher schwierig – ein bisschen schießen kann ich schon“, witzelte der 28-Jährige hinterher. Zum stillen Helden dieser Begegnung mutierte allerdings Christian Kroner. Christian wer? Der 18-jährige Torhüter – eigentlich für die A-Verbandsliga des FCT zwischen den Pfosten stehend – ersetzte den verletzten Tobias Braun, schnupperte das allererste Mal Oberliga-Luft und zeigte eine vorzügliche Vorstellung! „Es war so ein Spiel, in dem Helden geboren werden. Unser Held war heute Christian Kroner. Da zitiere ich mal Lothar Matthäus mit den Worten: Ich ziehe den Hut und sage Champs-Élysées“, lobte Coach Matthias Stuhlmacher seinen neuen Shootingstar. Kroner selbst gab sich nach der Partie sehr zurückhaltend. „Für mich war es total ungewohnt und ein bisschen nervös war ich auch. Aber ich hatte Vertrauen zu mir selbst und bin zufrieden – auch wenn das eine Gegentor nicht hätte sein müssen.“

Mustafov-Volley nach Slapstick-Einlage – Condor scheitert an Kroner

Den Anfang machten allerdings Kroners Mannen: Nachdem Condors Mike Theis die erste Großchance der Hausherren per Direktabnahme nicht nutzen konnte (4.), brachte FCT-Innenverteidiger Bilyal Mustafov sein Team auf die Siegerstraße. Ein scheinbar aus der Gefahrenzone beförderter Eckball wurde von Iscan noch einmal von links hoch vors Tor gebracht, wo Anders seinem Mitspieler Theis den Ball an den Rücken köpfte – den Abpraller nahm Mustafov volley und vollendete aus zehn Metern unters Gebälk (14.)! Die Farmsener – dem eigentlichen Spiel eher untypisch viel mit langen Bällen agierend und schlechter Raumaufteilung – kamen in der Folge zu Möglichkeiten. Doch entweder hatte Kroner seine Hände im Spiel – wie gegen Theis (18.) und Anders (19.) – oder aber das eigene Unvermögen machte einen Torerfolg zunichte: Flores' Abschluss aus sieben Metern stellte den jungen Türkiye-Fänger vor keine großen Probleme (32.). Nichtsdestotrotz gab es kurz darauf doch noch Grund zum Jubeln, als die Gäste im Mittelfeld ein Foulspiel an Sa Borges Dju reklamierten, aber der Konter rollte. Über Özalp und Theis kam Emre Coskun von halbrechts relativ freistehend zum Schuss und traf ins kurze Eck (35.)!

„Zwei Minuten länger und wir hätten den Ausgleich kassiert“

Führungsschütze Bilyal Mustafov (l.) gegen Kevin Mellmann. Foto: noveski.com

Doch die unzähligen Fehler im Spielaufbau machten dem Woike-Ensemble schwer zu schaffen. Torschütze Coskun verlor in der Vorwärtsbewegung das Leder, woraufhin Kocin auf rechts Güner bediente, der aus dem Halbfeld einen traumhaften Pass auf den durchstartenden Alexander Pohlmann spielte. Dieser pflückte die Kugel aus der Luft und schoss mit links zum 2:1 ein (39.)! Türkiye mit frühem Pressing – und Glück zu Beginn von Hälfte zwei, als Condor weiter leichtfertig mit seinen Gelegenheiten umging. Coskun verzog aus guter Position kläglich (53.), ehe Kroner nach einem Mellmann-Freistoß und Özalps Kopfballverlängerung in herausragender Manier reagierte, das Spielgerät aus dem rechten unteren Eck kratzte (60.). Aber auch die „Stuhlmänner“ hatten ihrerseits die Chancen, vorzeitig vom Dreier zu träumen. Zunächst entwischte Pohlmann dem im Spielaufbau mit einer haarsträubenden Passquote agierenden Hamdan, scheiterte aber an Kleinschmidt (63.). Dann verlor Till Daudert den Ball und Kocin verzog nach Pohlmann-Pass nur um Haaresbreite (69.). Strittig hingegen war die 78. Spielminute, als Mekan Barlak gegen Emre Coskun einen Schritt zu spät kam. Anstatt jedoch auf den Punkt zu zeigen, entschied Referee Benjamin Stello auf Offensivfoul! Es sollte an jenem Vormittag offensichtlich nicht sein – denn wenige Augenblicke darauf ließ Flores den nächsten Hochkaräter liegen, als er von Kieckbusch freigespielt wurde (81.). Und so setzte Gökhan Iscan mit seinem Traumtor den endgültigen Schlusspunkt (84.)! „Ich habe sofort gesehen, dass der Schuss kommt gut. Es war ein wichtiger Zeitpunkt, weil ich glaube: Zwei Minuten länger und wir hätten den Ausgleich kassiert“, befand der Schütze und fügte an: „Es war ein ausgeglichenes Spiel, das wir gewonnen haben, weil wir effektiver in der Chancenverwertung waren.“

Während die „Raubvögel“ das erste Mal in dieser Saison vor heimischer Kulisse als Verlierer den Platz verließen, setzte Türkiye seine Serie fort. Seit dem 24. Oktober hat man keine Partie mehr verloren, blieb im neunten Spiel am Stück unbesiegt. „Aufgrund der Anzahl an Chancen war der Sieg vielleicht etwas glücklich, im Endeffekt aber nicht unverdient. In der Druckphase von Condor Mitte der zweiten Halbzeit hätte ich mir ein bisschen mehr Kontrolle unsererseits gewünscht. Aber schlussendlich bin ich sehr zufrieden mit dem Auftritt“, so Stuhlmacher, der sein Team als „geschlossene Einheit“ sieht, das „ viel Spaß, Leichtigkeit und Ehrgeiz“ mitbringt, was – neben der individuellen Qualität – für die Serie verantwortlich sei. Sein Gegenüber bilanzierte: „Wir dürfen in der ersten Halbzeit nicht in Rückstand geraten, hatten unsererseits genügend Chancen zur Führung. Was wir heute im Gegensatz zum Gegner haben vermissen lassen, war die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Auch in der zweiten Halbzeit haben wir massig Möglichkeiten – und das waren ja schon keine Chancen mehr, sondern Hochkaräter.“ Zum Ende der Heimserie sagte Woike: „Dass wir heute zum ersten Mal zu Hause verlieren, ist nicht schlimm. Mich ärgert nur die Art und Weise ein wenig. Aber grundsätzlich ist es nicht tragisch und auch kein Beinbruch, es waren schon viele knappe Spiele in dieser Saison dabei – auch 50:50-Begegnungen, die wir gewonnen haben.“

Der komplette LIVE-Ticker zum Spiel:

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