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12.01.2016

Wedeler Aufstieg? „Die Mannschaft entscheidet es selbst“

Klare Aufgaben, klare Visionen: WTSV-Neu-Sportchef Ockens im Gespräch

Zuletzt jubelte Frank Ockens als Manager für den SV Eichede - nun möchte er den Wedeler TSV in die Oberliga führen. Foto: noveski.com

In den letzten anderthalb Jahren rankte sich Gerücht an Gerücht – wurde ein Posten im Umfeld einer Mannschaft frei, war der Name Frank Ockens stets in der Verlosung. Nach seinem Abschied beim damaligen Regionalligisten SV Eichede zog sich der 40-Jährige jedoch bewusst ein Stück weit raus aus der Szene. Doch am Wochenende wurde bekannt: Ockens wird neuer Sportlicher Leiter beim Hammonia-Ligisten Wedeler TSV. Im Gespräch mit uns erklärt der „Macher“ seine Ambitionen mit den Elbstädtern und vieles mehr…

Mit "Ocker" noch bei den Alten Herren aktiv: Wedel-Coach Thorsten Zessin. Foto: noveski.com

„Es stimmt, dass in den letzten Wochen viel spekuliert wurde“, nahm auch Frank Ockens selbst die Gerüchte über ein bevorstehendes Engagement beim VfL Pinneberg wahr. Schlussendlich entschied sich der ehemalige Liga-Manager des SV Rugenbergen allerdings für den (noch) klassentieferen Wedeler TSV. „Es ist einfach so, dass ich aufgrund meiner beruflichen Situation nicht mehr dazu in der Lage bin, dreimal in der Woche auf dem Platz zu stehen und ganz dicht an der Mannschaft dran zu sein – sprich: Der Posten des Liga-Managers war in der Form nicht mehr möglich. Also habe ich mir eine Position gesucht, wo man strategisch einwirken und Dinge anstoßen kann – aber wo ich eben auch genau weiß, dass ich ein Team um mich herum habe. Das war letzten Endes ausschlaggebend für Wedel“, erklärt er uns seinen Entschluss und fügt an: „Es ist ein Verein mit einer sehr guten Infrastruktur, einer hervorragenden Basis was Sportanlage etc. angeht. Zudem herrscht dort aber auch eine sportliche Basis mit der Mannschaft und dem Trainerteam: Man steht gut da, kann noch etwas entwickeln und muss nicht ganz unten anfangen. Was mir sehr wichtig ist, dass dort auch gewachsene Strukturen im Umfeld herrschen, so dass gewisse Ideen auch zeitnah in Angriff genommen werden können.“

„Werden nicht auf Krampf neue Spieler holen“

Offensivallrounder Pablo Moreira versucht sein Glück in der Rückrunde bei Oberligist Cordi. Foto: noveski.com

Kurz ausgedrückt: Ohne Visionen kein Frank Ockens. „Die handelnden Personen kenne ich schon jahrelang. Mit Thorsten Zessin spiele ich sogar noch zusammen Alte Herren. Es gab immer mal wieder den Punkt, wo man sich gesagt hat: Mensch können oder wollen wir nicht. Irgendwann kam bei mir dann der Moment – das war Ende November/Anfang Dezember –, als ich für mich entschieden habe, dass ich mich wieder im Amateurfußball engagieren möchte.“ Nach Einreichen seines Konzeptes und einem Treffen mit dem Vorstand wurde man sich schnell handelseinig. „Das wurde noch am selben Abend abgesegnet“, so Ockens, „also habe ich mir gesagt: Dann starten wir gleich voll durch.“ Mit Christopher Dobirr steht ihm noch eine weitere wichtige handelnde Person zur Seite. „Ich werde sicherlich mehr im strukturellen Bereich arbeiten und nicht im täglichen Geschäft. Wenn’s um die Kaderplanung, sportliche Ausrichtung oder auch Neuverpflichtungen geht, treffen wir gemeinsam die Entscheidung“, steckt Ockens sein Aufgabengebiet ab.

Nach den Winter-Abgängen von Pablo Moreira (Concordia), Eico Westphal und Sebastian Loether (beide Ziel unbekannt) ist der Kader des Hammonia-Zweiten auf gerade einmal 17 Feldspieler und zwei Torhüter ausgedünnt. Ein Problem, das Wedel im Titelkampf noch zum Verhängnis werden könnte. „Es ist so, dass wir einen Kader haben, der sehr dünn, qualitativ aber sehr gut besetzt ist. Wenn wir allerdings das Pech mit zwei, drei Verletzungen und womöglich noch einer Roten Karte haben sollten, dann musst du aus dem dritten Loch pfeifen. Das sehe ich auch als Problem an, wenn’s nachher um die Meisterschaft oder den Aufstieg gehen sollte – zumal wir auch im Pokal noch vertreten sind.“ Deshalb sondiere man auch den Markt, betont Ockens – allerdings wird es keinen Schnellschuss geben. „Sollte die Möglichkeit bestehen, ein oder zwei Spieler zu verpflichten, werden wir uns davor nicht scheuen. Aber es ist nicht so, dass wir jetzt auf Krampf sagen: Wir müssen. Wenn wir einen Spieler holen, dann nur für die nächsten ein, zwei Jahre und jemanden, der in unser Konzept passt.“ Gerüchte um mögliche weitere Abgänge erstickt „Ocker“ im Keime – auch wenn er zugibt: „Die eine oder andere Personalie ist noch vakant. Es gibt durchaus Interessenten für den einen oder anderen Spieler. Aber wir können unseren Kader nicht so dezimieren, dass wir nur noch mit 14 Kickern dastehen.“

„Nächstes Jahr würde das Wort ‚Aufstieg‘ im Mittelpunkt der Überschrift stehen“

Ein Mann mit klaren Vorstellungen und Visionen: Frank Ockens. Foto: noveski.com

Nach aktuellem Stand der Dinge erwartet Ockens einen Dreikampf um die Hammonia-Krone, wie er sagt. „Die drei Teams da oben sind schon eine Klasse für sich. Da kommt es jetzt darauf an: Wer beweist den längsten Atem? Wer hat die nötige Reife? Und wer will es vielleicht auch mehr? Sasel hat mit Danny Zankl einen hervorragenden Trainer, einen riesen Kader mit tollen Spielern und mit ‚Bertl‘ natürlich das Pendent zu mir, der ganz genau weiß, wie es geht und der die Jungs sicher auch vorantreibt. Osdorf ist hingegen ein unglaublich eingeschworener Haufen, immer schwer zu spielen. Zum Glück sind wir damit schon durch. Aber sie haben in ihrem Kollektiv auch eine unglaubliche Qualität. Es wird sehr, sehr schwer. Alle drei Mannschaften haben bis dato eine gute Konstanz gezeigt. Nun wird sich zeigen, wer wie gut aus den Startlöchern kommt.“ Großen Druck macht man sich in Wedel nicht – zumindest noch nicht. „Wir haben einen starken Kader und wenn wir aufsteigen, dann steigen wir auf. Aber ich sehe noch ein, zwei große Baustellen im strukturellen Umfeld, die wir beheben müssen. Der Verein hat zum Beispiel keine Zweite Herren und keine A-Jugend. Wenn es in diesem Jahr nicht reichen sollte, dann ist das kein Beinbruch. Es würde uns sogar ein Jahr mehr Zeit geben, diese anderen Baustellen abzuarbeiten. Aber wenn die Jungs den Aufstieg schaffen und es sich sportlich verdient haben, dann müssen wir eben noch einen Schlag mehr reinhauen – für die Oberliga planen, aber gleichzeitig auch die anderen Baustellen in Angriff nehmen.“ Dass das Team über ausreichend Potenzial verfüge, stehe nicht zur Debatte. „Die Mannschaft entscheidet es durch ihre sportlichen Leistungen selbst, ob wir hochgehen oder nicht. Das Zeug dazu hat sie. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und wir es schaffen, ist es schön. Wenn nicht, stellen wir die Jungs aber auch nicht an die Wand. Dann greifen wir nächstes Jahr an – und dann wird das Wort ‚Aufstieg‘ im Mittelpunkt der Überschrift stehen!“

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